Edward St Aubyn "Der beste Roman des Jahres"

Cover: Piper Verlag
Cover: Piper Verlag

Mitte August ereilte die deutschsprachige Lesergemeinde die Longlist für den diesjährigen Deutschen  Buchpreis. https://www.deutscher-buchpreis.de/nominiert/ und prompt entbrannte die Debatte. Welche Bücher? Welche Bücher nicht? Aus welchem Grund?

„DLF-Redakteur Hubert Winkels bedauert im Gespräch, dass in jedem Jahr neue Juroren ausgewählt werden. "So viel kritische Kompetenz gibt es im deutschsprachigen Raum nicht, dass es für mehr als zehn Jahre reicht." In diesem Jahr sind fünf österreichische Autoren dabei; sieben weibliche Autorinnen; zwei Debüts. Zu den bekanntesten Namen gehören Ingo Schulze, Sven Regener, Robert Menasse, Feridun Zaimoglu. Winkels vermisst Norbert Scheuer, Uwe Timm und Petra Morsbach mit ihren neuen Romanen. Die Bücher anderer bekannter Autoren erscheinen kurz nach dem fraglichen Zeitraum. So die neuen Bücher von Juli Zeh, Peter Handke und Daniel Kehlmann.“     

Quelle: Deutschlandfunk - www.deutschlandfunk.de


Der Redakteur der ZEIT, Christoph Schröder, hat seine Erfahrungen als Jury-Mitglied in einem sehr aufschlussreichen Text dargestellt und sich damit auch gleich aus dieser Debatte verabschiedet: http://www.zeit.de/kultur/literatur/2017-08/deutscher-buchpreis-longlist-zusammenstellung-jury-auswahl

In diesem Zusammenhang fällt uns „Der beste Roman des Jahres“ von Edward St Aubyn aus dem Jahre 2014 wieder ein. Kaum verhohlen, ist das Buch ein ätzende Satire auf den in England verliehenen Man Bookers Prize, dort seit 1969 für den besten Roman des jeweiligen Jahres vergeben wird. Die Kritik fand nach dem Erscheinen des Romans die Vokabel „Literaturbetriebskomödie“ – sehr passend!

Im Roman steht der Elysia Preis zur Verleihung an, schon allein die Entstehungsgeschichte dieser Auszeichnung verspricht  dem Leser weiterhin ein bitter-süßes Lesevergnügen. Das Parkett der Jury betreten: eine Kolumnistin, ein stets abwesender Schauspieler, ein eitles kleines Licht aus der Politik, eine gelangweilte Literaturhistorikerin und eine zweitklassige Literatin. Dazu die Autoren der nominierten Bücher wie eine Monty Python Personnage und ein paar pikante side-kicks – zum Brüllen komisch, Didier, ein französischer  Dampflaberer:

„ … bewegen wir uns hier im Grenzbereich zwischen Text und Textilie, wo die Fabrik-kation“ eines feinen, aber das scheinbare Thema verhüllenden Schleiers ausschlaggebend ist, womit dem Vorrang der figurativen Sprache  vor der inhaltlichen Bedeutung oder, allgemeiner ausgedrückt, dem Vorrang des Boten vor jeglicher Botschaft, die er transportieren könnte, das Wort geredet wird.“ Kritikerherz – WAS willst Du mehr?

Dieses Buch ist durch und durch britisch, hier gibt es alles zwischen Oscar Wilde und Fawlty Towers: der Autor als Vertreter der britischen Oberschicht (wenn auch literarisch vielfach gebrochen in seinen „Melrose“-Romanen), die im Buch agierenden Personen aber natürlich auch und fast zu allererst die Sprache, derer sich St Aubyn bedient und deren hervorragenden Übersetzung ins Deutsche. In einem ZEIT Interview sagte er: „Dialoge in Romanen sollten brillanter sein als in der Wirklichkeit, sonst unterhalten sie nicht.“ Diese hier unterhalten. Kostprobe?

Bei der Einreise des indischen Adligen Sonny, dessen Buch „Der Maulbeerelefant“ (erschienen im Privatdruck, sic!) ganz bestimmt auf der Longlist des Elysia-Preises stehen wird, ins Vereinigte Königreich:

"Ich bin gekommen, um Gratulationen für meinen Roman entgegenzunehmen“, …..  „Sie wollen also im Grunde Waren aus Indien im Vereinigten Königreich bewerben und verkaufen, …., aber auf Ihrem Einreiseformular haben Sie als Anlass der Reise ‚Vergnügen‘ angekreuzt.“ - „Der Anlass meiner gesamten Existenz ist Vergnügen, …, aber ich muss sagen, dass ich in diesem Moment das Gegenteil davon empfinde.“

Es beginnt das Geziehe und Gezerre der Juroren hinter den Kulissen, Koalitionen werden geschmiedet und aufgekündigt, Körpersäfte ausgetauscht, das ur-eigenste Interesse immer fest im Blick, dieser von keinerlei nennenswerter Kompetenz getrübt.

Und – es ist kein Verrat an der Geschichte, denn der geübte Leser weiß nach wenigen Seiten, wer am Ende gewinnen wird: das Kochbuch.

Edward St Aubyn  "Der beste Roman des Jahres". Piper Verlag, 2014, als Taschenbuch erschienen im Februar 2016 Preis: € 9,99

Bei uns im Verleih: Link zum Katalog

 
 
 
 
 
 

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