Thommie Bayer "Fallers große Liebe"

Cover: Verlag Piper
Cover: Verlag Piper

Eine Überdosis Liebe. Einsam, Zweisam, Dreisam. Das Herz ist eine miese Gegend. Spatz in der Hand. Der Himmel fängt über dem Boden an. Der langsame Tanz. Andrea und Marie. Das Aquarium. Die gefährliche Frau. Singvogel. Eine kurze Geschichte vom Glück. Aprilwetter. Fallers große Liebe. Heimweh nach dem Ort, an dem ich bin. Vier Arten, die Liebe zu vergessen. Die kurzen und die langen Jahre. Weißer Zug nach Süden. Seltene Affären. Das innere Ausland.

Thommie Bayer ist ein äußerst produktiver künstlerischer Tausendsassa – Autor, Maler, Drehbuchschreiber, Musiker, Journalist. Geboren 1953 im Schwäbischen. Wenn Sie sich der Person nähern möchten, klicken Sie hier: http://www.thommie-bayer.de/guterrat.htm und ich verspreche, das ist nicht der Link zu seinem Lebenslauf auf der Homepage.

„Und wie wär’s, wenn Sie Rezensionen schrieben? Ihre Kenntnis und Belesenheit schreit eigentlich nach Verbreitung, oder?“„Nein. Das ist eine andere Welt. Ich habe das mal in kleinem Rahmen gemacht, aber ich konnten nur Bücher empfehlen und erklären, warum ich sie schätze, ich konnte sie nicht verdammen, ihre Fehler aufzählen, den Lesern einreden, sie sollen dieses Buch nicht lesen. Die Richterposition gefällt mir nicht. Sie hat etwas Hoffärtiges, Rigides, ich finde sogar, sie hat etwas Literaturfeindliches.“„Schon wieder so ein tolles Wort: hoffärtig“, sagte er. „Aber es braucht doch die Kritiker. Jemand muss doch ein sicheres fachliches Urteil haben.“„Diese fachliche Sicherheit gibt es ja nicht. Es gibt Zuneigung und Abneigung, und die Kriterien sind so weich, dass sie für beides herhalten können.“„Wofür studieren die Leute dann, wenn sie keine sicheren Kriterien erwerben?"„Im Studium lernt man das Einordnen. Das ist was für Bibliothekare.“

Warum gerade über dieses Buch? Vor acht Jahren erschienen. Um ehrlich zu sein: Zufall. Jemand schenkte es mir. Mit einem persönlichen Impetus natürlich. Aber davon abgesehen: einfach ein unbedingt lesenswertes Buch. Auch streitbar.

Alexander Storz ist Antiquar. Er betreibt mehr schlecht als recht einen kleinen Laden in Köln. Das Leben plätschert so dahin, droht zu verplätschern. Eines Tages spricht ihn ein älterer, offensichtlich gut situierter Herr an. Ob er ihm seine private Bibliothek abkaufen würde. Diese „Bibliothek“ entpuppt sich bei Inaugenscheinnahme als eine wahre Schatzkammer der wertvollsten Bände und übersteigt das finanzielle Leistungsvermögen Alexanders deutlich.

Als er ablehnt, macht Faller (kein Vorname) ihm ein anderes Angebot: ob er ihn auf einer Reise begleiten wolle. Er selbst habe seinen Führerschein verloren, aber wichtige Dinge vor Ort zu erledigen und brauche nun einen Fahrer, Begleiter, Gesellschafter, wie auch immer man das nennen wolle. Es beginnt eine Reise quer durch Deutschland, von Norden nach Süden, während der die beiden Männer reden und schweigen, (gut) essen und trinken, sich näher kommen (vermeintlich?!?) und wieder Distanz zwischen sich schaffen.

Während der Plot mit jeder neuen Stadt Haken schlägt wie ein Feldhase, schält sich der Leser nach dem Zwiebelprinzip durch die Augen und Gedankenwelt Alexanders in das Innerste Fallers, in dem zwangsläufig am Ende einer der letzten Fragen thematisiert wird.

Und parallel zu diesem Handlungsstrang, über den hier aus Spannungs-Fairness-Gründen nicht mehr so viel erzählt werden soll (was diesen Text auch ziemlich kurz macht), entwickelt sich ein Buch über Bücher. Alexander verbringt die Tage in der Regel lesend allein, während Faller seinen Geschäften nachgeht. Er erkundet die fremden Städte, indem er Buchhandlungen aufsucht, den Empfehlungen der Buchhändlerinnen folgt, in den gekauften Büchern versinkt, eigenes Erleben erinnert. Ein Kurs für Fortgeschrittene in Bibliotherapie.

Kritiker mögen sagen: zu konstruiert, zu vorhersehbar, manchmal schrill kratzend an der verschiebbaren Grenze zum Kitsch. Wir aber sagen (siehe Zitat): es ist ein berührendes und somit gutes Buch, denn: „(wir) können Bücher nur empfehlen und erklären, warum (wir) sie schätzen."

"Fallers große Liebe" von Thommie Bayer; Piper Verlag; Auflage: 12, Preis: € 10,-

Bei uns im Verleih: Link zum Katalog

 
 
 
 
 
 

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