Tobias Lindholm - A War

08.04.2020

Quelle: ART HAUS

Ich bin keine passionierte Kinogängerin oder Filmguckerin. Aber, neue Situationen erfordern neue Maßnahmen, auch und gerade, wenn es darum geht, seine Zeit gut zu nutzen. Also habe ich mir vor ein paar Tagen „A War“ (Originaltitel: Krigen), ein dänisches Kriegsdrama des Regisseurs Tobias Lindholm aus dem Jahr 2015 (erschienen 2016) angesehen.

Der dänische Offizier Claus Pedersen befehligt eine Einheit in Afghanistan. Der Film zeigt über die ganze Länge von knapp zwei Stunden ausschließlich die Sicht des Hauptdarstellers und der „dänischen Seite“ auf die Situation der Soldaten im Lager, auf Patrouille und später vor Gericht. Fast dokumentarisch folgt die Kamera den Männern, die zum Schutz der Zivilbevölkerung, vor allem der Kinder, Landminen aufspüren und entschärfen sollen, um später den Taliban die Befehlsgewalt über diese Landstriche wieder zu entziehen. Immer wieder geraten sie selbst unter Beschuss und müssen Tote und Verletzte beklagen. Mit Händen zu greifen ist in diesen Szenen die Unsicherheit, das dem Feind ausgesetzt sein, die Angst. Die Luft flirrt und das nicht wegen der Hitze.

Viele dieser Männer kämpfen auch an einer anderen Front: der Heimatfront. Frauen und Kinder warten zuhause in Dänemark, müssen über Monate auf ihre Väter und Ehemänner verzichten, immer in Anspannung, immer von einem Anruf zum anderen lebend. Pedersen geht, obwohl er das als Offizier nicht müsste, mit auf Patrouille. Er will mit dieser Entscheidung den Kameraden, die Schlimmes erlebt haben, den Rücken stärken, ein Zeichen setzen. Sie geraten in einen Hinterhalt der Taliban, bei dem einer der Kameraden schwer verletzt wird. Die Lage wird unübersichtlich, niemand kann den Feind lokalisieren, der Beschuss dauert an, der verletzte dänische Soldat droht zu sterben. Pedersen entschließt sich, einen Luftangriff anzufordern, bei dem schließlich elf Zivilisten getötet werden.

Diese Konstellation weckt bei deutschen Zuschauern eine Erinnerung: Im September 2009 wurden südlich der Stadt Kundus im Norden Afghanistans zwei von Taliban entführte Tanklastwagen und die sich in nächster Nähe befindlichen Menschen bombardiert. Oberst Georg Klein hatte den Bombenabwurf trotz unklarer Informationslage abgefordert. Durch den Angriff wurden wahrscheinlich um die 100 Menschen, darunter auch Kinder, getötet oder verletzt. Offenbar hatte es sich bei der Ansammlung von Menschen nicht um Terroristen sondern um eine Hochzeitsgesellschaft gehandelt. Oberst Klein musste sich für sein Entscheidung vor deutschen Gerichten verantworten.

Und so geht es auch Oberst Pedersen. Er wird zurück nach Dänemark beordert und vor Gericht gestellt. Und an dieser Stelle beginnt quasi ein neuer Film. Aus dem (Anti-) Kriegsfilm wird ein Gerichtsfilm oder eigentlich: ein Gerichtsdrama. Denn nun geht es an die großen Fragen der Ethik. Dürfen wir Menschenleben gegeneinander aufwiegen? Wie geht ein Mensch in solchen Drucksituationen mit seinem Gewissen, seinen Überzeugungen um?

Der Film ist nie marktschreierisch, kein sinnloses Geballere, keine Kulissen- und Effektschlacht, nicht übermäßig brutal, immer sehr intensiv, immer sehr nah an den Darstellern und ihren Figuren. Die gewichtigsten Momente sind nicht die Gefechte sondern die geteilte Zigarette der Kameraden hinterher im Lager, das abgebrochene Telefonat mit der Ehefrau, das Zubett-Bringen der Kinder zuhause in Dänemark.

Alles konzentriert sich auf die Frage: Hat Pedersen gewusst, dass das Angriffsziel kein Versteck der Taliban war? Kam wirklich Gewehrfeuer aus Haus 6 oder nicht? Was ergeben die Aufzeichnungen des Gefechts? Was sagen die Kameraden aus? Wie geht Claus Pedersen selbst mit dieser Situation um? Was wird er am Ende aussagen?

Ein ART HAUS Film. Studiocanal GmbH, 2016. DVD und Blue Ray. 

 
 

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